Alte Pinakothek, München: „Utrecht, Caravaggio und Europa“, bis 21. Juli 2019

Autor/in: Katarzyna Wakuła
Veröffentlicht am Juli 29, 2019

Über 70 der schönsten Werke der bedeutendsten Caravaggisten, darunter Gemälde von Bartolomeo Manfredi, Jusepe de Ribera, Valentin de Boulogne und Caravaggio selbst, sind auf der Ausstellung „Utrecht, Caravaggio und Europa“ in der Alten Pinakothek bis 21. Juli zu sehen. Darunter Caravaggios berühmter „Heiliger Hieronymus“ aus dem Kloster Montserrat bei Barcelona, Gerard van Honthorsts „Konzert“ aus der National Gallery of Art in Washington und dessen „Enthauptung Johannes‘ des Täufers“, die heute noch an ihrem ursprünglichen Bestimmungsort, der Kirche Santa Maria della Scala in Rom, als Altarbild dient.

Die unter der Leitung des Kurators Dr. Bernd Ebert und in Zusammenarbeit mit Dr. Susanne Hoppe vorbereitete Ausstellung in der Alten Pinakothek greift auf den Beginn des 17. Jahrhunderts, also der Kernzeit des europäischen Caravaggismus. Man befindent sich wieder in Rom, dem damaligen Kulturzentrum der Welt. Um 1600 galt Michelangelo Merisi, gen. Caravaggio als leidenschaftlicher Hitzkopf, der in der Malerei einen Umsturz bewirkt hatte. Mit neuen Bildthemen, einem bis dahin unbekannten Realismus und starken Kontrasten von Hell und Dunkel polarisierten und irritierten seine Werke. In den fünf Themensektionen entdeckt man die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede der zeitgleich in Rom arbeitenden Caravaggisten, wie die Utrechter Maler Hendrick ter Brugghen (1588-1629), Gerard van Honthorst (1592-1656) und Dirck van Baburen (um 1592/93-1624).

Auf phänomenale Weise präsentiert die Ausstellung die Rezeption der Caravaggios Malerei. Im Gegensatz zu vorangegangenen Ausstellungen geht es in der Münchner Schau neben den Gemeinsamkeiten primär um die Unterschiede zu dem großen italienischen Barockmaler Caravaggio. Die Künstler, die damals nach Rom strömten, brachten jeweils ihre eigenen kulturellen Hintergründe mit. Die Holländer trieben den Realismus Caravaggios auf die Spitze und machten selbst vor hässlichen Details wie Knollennasen und faulen Zähnen nicht Halt. Aufgrund ihrer eigenen kulturellen Identität differieren ihre Bilder signifikant von denen der französischen, flämischen, italienischen und spanischen Caravaggisten.

Ganz besonderer Teil der Ausstellung ist das Caravaggios Bild „Medusa“ (1596/97), das ein weiteres Highlight des italienischen Barockmalers zeigt. Die sich im Privatbesitz befindende „Medusa Murtola“ gilt unter anderem aufgrund der im Röntgenlicht sichtbaren Änderungen während des Malprozesses als die frühere der zwei existierenden Versionen. Benannt ist die erste Fassung nach dem italienischen Dichter Gaspare Murtola (gest. 1624/25), der in einem Madrigal von 1603 dazu schrieb: „Flieht, denn wenn eure Augen vor Erstaunen versteinert sind, wird sie euch in Stein verwandeln“. Mit ihrem makabren Gesichtsausdruck, ihren Haaren aus lebendigen Schlangen und dem am Hals herausspritzenden Blut zählt diese Darstellung zu den unheimlichsten und zugleich beeindruckendsten Werken des Künstlers. Selbst nach der Enthauptung durch den Helden Perseus war der Kopf der Gorgo Medusa noch gefährlich: Ein Blick in ihre Augen oder die der Schlangen genügte, um den Betrachter in Stein zu verwandeln. Damit war es ein ideales Motiv für ein Schild zur Abwehr des Gegners.

 

Die Ausstellung ist bis 21. Juli 2019 zu sehen. Ein besonderes Kunsterlebnis bietet die innovative Musik-Audioführung. Zu jedem Gemälde in der Ausstellung haben internationale Studierende des Faches Komposition an der Hochschule für Musik und Theater München die emotionalen Inhalte der Bilder in Musik übersetzt und mit ihren individuellen Kompositionen ein Erlebnis geschaffen, welches die visuelle Erfahrung der Meisterwerke auf außergewöhnliche Art und Weise erweitert. Neben einem umfassenden Führungsangebot wird die Ausstellung von aufregenden Veranstaltungsformaten begleitet, wie Workshops, Oper, Tanz, Theater, Kino und Lesungen. Das Begleitprogramm findet man hier.

UTRECHT, CARAVAGGIO UND EUROPA
ALTE PINAKOTHEK
Barer Str. 27, 80333 München
VERLÄNGERTE ÖFFNUNGSZEITEN DER AUSSTELLUNG AM DIENSTAG UND MITTWOCH BIS 21.00 UHR
Eintritt: 12€ (regulär) /9€ (ermäßigt)

Datum: 17.04.2019 - 21.07.2019
Lokalisierung: Barer Str. 27, 80333 München


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