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Thema: Warum es heute so schwierig ist, die erwachsenen Kinder loszulassen?2018-02-02

Das Buch von Gerlinde Unverzagt versucht zu verstehen, was ein Kind zu lieben wirklich bedeutet.

G. Unverzagt, “Generation ziemlich beste Freunde”, Beltz Verlag, Weinheim 2017, 16,95 €

„Bereite dein Kind auf den Weg vor, und nicht den Weg für dein Kind.” – lautet ein Spruch in Sachen Erziehung. Da die neuen Technologien und Mobil-Applikationen, die zwischenzeit dem Bestandteil unserer täglichen Kommunikation gewesen sind, erleichtert die Nestflucht nicht.

 

In Deutschland leben etwa dreißig Prozent der 25- bis 34-Jährigen noch bei ihren Eltern, zwei Drittel davon sind Söhne. Ein Gründ dafür? Längere Ausbildungszeiten, wirtschaftliche Erfordernisse begünstigen diese Entwicklung. Moderne Eltern haben den Wunsch neben der Elternrolle auch die Freunderolle einzunehmen; und für erwachsenen Kinder ist ganz oft das Hotel-Mama eine bequeme Lösung zu sein um die Ablösung zu verhindern.

 

Das Buch von Gerlinde Unverzagt versucht das Phänomen des Loslassens zu verstehen und bezieht die modernen Lebens- und Kommunikationsformen als Begründungszusammenhänge hinzu. In 12 Kapiteln Generation ziemlich beste Freunde. Warum es heute so schwierig ist, die erwachsenen Kinder loszulassen skizziert die Autorin Verhältnisse zwischen der Generation 45+ und ihren erwachsenen Kindern aus zwei Perspektiven. Eine Mutter (Alter-Ego der Autorin), deren Kinder gerade aus dem Elternhaus ausgezogen sind und ihre über zwanzigjährige-Tochter Marie beschäftigen sich mit solchen Themen, wie: Machen die Kinder glücklich? Leeres Nest, Betreutes Studieren und erzählen über die individuellen Erfahrungen nach der Trennung. Erwachsene Kinder wünschen sich eine symmetrische Beziehung zu den Eltern – aber nicht in allen Bereichen. Und doch, die grundsätzliche Asymmetrie bleibt. Problematisch ist die Kommunikation-via Smartphone, da sie eine Art  „digitale Nabelschnur“ ermöglicht Die Selbständigkeit der Kindern kann dadurch erschwert werden. „Eltern und Kinder sind auch bei Facebook befreundet, täglich Telefonate zwischen Müttern und Kindern sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Das gegenseitige Festhalten ist offenbar zur Norm geworden, und das macht die Trennung heute auch so knifflig, verglichen mit den Auszügen früherer Generationen aus dem Elternhaus.“ – schreibt Unverzagt.

 

Wo liegt das Problem? – kann man die Frage stellen. Als Antwort kriegt der Leser die Beispielsituationen, wenn sowohl Kinder, als auch Eltern den Druck verspüren irgendwelche Bedürfnisse oder Wünsche erfüllen zu müssen. Nicht selten führt ein zu starkes Verantwortungsgefühl zu Depressionen. „Was bei meiner Freundin dabei dann häufig herauskommt – beschreibt Marie – sind Samstagabende auf der Couch mit Weißwein und einem Liebesfilm, während ihre Mutter ihr herunterbetet, was Männer für Schweine sind (…)“ – vertraut sich Marie an. Ein offenes Geheimnis ist, dass die Eltern, meistens Mütter, die sich ganz schlecht nach dem Kinder-Auszug fühlen, keine guten Beziehungen mit ihren Partnern oder Freunden haben. Das Gefühl, gebraucht zu werden und verantwortlich für jemandem zu sein – scheint als eine Falle sowohl für Eltern, als auch für Kinder zu sein. Die Übernahme der Probleme der Eltern von einem Kind, sind ebenso problematisch, wie die Betreuung des Kind-Studiums von den Eltern.

 

Was bedeutet Liebe? Wo sind die Grenzen zwischen Liebe und Bedürftigkeit, zwischen Unterstützung und Einmischung, Hilfebedarf und Manipulation? Wie man die Grenzen ziehen sollte oder was bedeutet, ein guter Elternteil zu sein? Das Buch gibt keine einfachen und schnellen Antworten darauf. Aber dafür – als Ergebnis der Gespräche mit den Eltern, Kindern und Psychologen – kriegt der Leser die klaren Aussagen, wie jeder Vater und jede Mutter sich verhalten sollte, um gesunde Relationen mit den Kindern in Zukunft zu haben. Dazu gehören z.B. die folgenden psychologischen Wahrheiten:

  1. „Die Eltern müssen lernen, sich zurückzuhalten. Und die Kinder müssen lernen, selbständig zu sein“.
  2. „Ein Freundschaftsverhältnis zwischen Eltern und Kindern wird es ja nie werden. Eltern bieten Halt, und das soll aus Sicht der Kinder auch so bleiben. Ein einseitiger Investitionsfluss, der nicht umkehrbar ist“.
  3. „Die Rollenverteilung wird nie ganz aufgehoben werden können, auch wenn das Verhältnis zwischen Müttern und Kindern mit der Zeit relativ symmetrisch werden kann, während das Verhältnis zwischen Vätern und Kindern zumeist asymmetrisch bleibt“.
  4. „In großen, erwachsenen Kindern beste Freunde sehen zu wollen, ist die logische Konsequenz der verrückten Idee, kleine Kinder als Partner behandeln zu wollen. Eltern wollen die gute Beziehung erhalten und sind nur bedingt bereit, mehr Autonomie zuzugestehen. Kinder wollen bestehende Beziehungsformen mit Eltern verändern, um mehr Autonomie zu erlangen“.

In Generation ziemlich beste Freunde erweitert die Autorin die Theorie, dass „Veränderte Rollenbilder, ein gewandelter Erziehungsstil, der grassierende Jugendwahnsinn oder die Herausforderungen des digitalen Wandels Eltern und Kinder heute vor ganz neue Herausforderungen stellen.“ Ein bestimmter Vorteil des Buches besteht darin, dass die Autorin die Fragmente der Interviews mit Familientherapeuten, Psychologen und Pädagogen anführt. Deswegen kann sie mit voller Objektivität beschreiben, wieso das Kinder-Loslassen-Prozess nötig ist, um die beiden Seiten – Eltern und erwachsene Kinder glücklich und selbständig sein zu können. So sollten die Eltern ein leeres Zimmer des Kindes nicht als schmerzhafte Erfahrung empfinden, sondern als endlich ruhige Zeit, während sie immer wieder auf sich selbst stärker konzentrieren können. Deswegen kann man das Empty-Nest-Syndrom als etwas Positives im Eltern-Leben behandeln.

 

Ich darf Heike Buhl (Erziehungsexpertin) zitieren, eine der Interviewten: „Wir haben noch viel zu lernen“.  Das Buch Generation ziemlich beste Freunde. Warum es heute so schwierig ist, die erwachsenen Kinder loszulassen kann sowohl Eltern, als auch Kindern in diesem Prozess  helfen.

 

Gerlinde Unverzagt, Generation ziemlich beste Freunde. Warum es heute so schwierig ist, die erwachsenen Kinder loszulassen, Beltz Verlag, Weinheim 2017
16,95 €

Leseprobe findest du hier.

(kw/yc)

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