Jacek Malczewski

Das Warschauer Nationalmuseum präsentiert Meisterwerke der polnischen Malerei

Autor/in: Katarzyna Wakuła
Veröffentlicht am Oktober 1, 2020

Welche Rolle spielte die Malerei bei der Gestaltung des nationalen Bewusstseins der Polen? Vor welchen Aufgaben stand der Künstler im 19. Jahrhundert? Welche Bedeutung hatte die historische Kontinuität für die Bildung des kollektiven Gedächtnisses? – darüber berichtet die neueste Ausstellung im Nationalmuseum in Warschau – Polska. Siła obrazu (Polen. Macht des Bildes).

Die am 18. September eröffnete Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Musée du Louvre-Lens, dem Nationalmuseum in Posen und dem Adam-Mickiewicz-Institut. Es zeigt Meisterwerke der polnischen Malerei aus den wichtigsten Museen des ganzen Landes. Die Ausstellung beginnt chronologisch mit dem Schaffen von Piotr Michałowski und endet mit Gemälden vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung zeigt Werke der herausragendsten polnischen Maler, die sich in ihren Arbeiten auf historische Ereignisse beziehen, darunter Jan Matejko und Artur Grottger, und auch der späteren, die eine Rolle von Leitfäden des kollektiven Gedächtnisses übernahmen, wie Jacek Malczewski oder Stanisław Wyspiański. Im Laufe der Jahrzehnte haben ihre Werke die Vorstellungskraft der Polen geprägt und sind zu einem Träger von Wissen und Erfahrung in der Zeit turbulenter gesellschaftspolitischer Veränderungen geworden, die den Weg zur Unabhängigkeit ebnete.

Die heimische Landschaft spielte eine wichtige Rolle bei der Gestaltung patriotischer Gefühle in der polnischen Malerei des 19. Jahrhunderts. Die Suche nach Vertrautheit drückte sich in der Auswahl einer bestimmten Landschaft aus, z.B. der masovischen Ebene oder der Grenzgebiete, die in den Gemälden von Juliusz Kossak, Józef Brandt, Józef Chełmoński, Jan Stanisławski oder Leon Wyczółkowski populär gemacht wurden. Auf der anderen Seite wurde der von patriotischen Pflichten befreite Trend der sauberen Landschaft (krajobraz czysty), der durch eine moderne Herangehensweise an die Themen Licht und Farbe gekennzeichnet ist, durch die Gemälde von Jan Stanisławski, Julian Fałat und Aleksander Gierymski dargestellt.

Die Ausstellung beleuchtet auch die künstlerischen und politischen polnisch-französischen Beziehungen, die von der napoleonischen Legende aus der Zeit des Herzogtums Warschau und der Aktivität der Großen Auswanderung nach dem Novemberaufstand belebt wurden, insbesondere die Kreise um die Familie Czartoryski im Hôtel Lambert in Paris. Der Künstler, der die Figur Napoleons und das Bild eines für die Freiheit Polens kämpfenden Lanzenträgers zum Motiv seiner Arbeit gemacht hat, ist Piotr Michałowski, dessen Werke auch in der Ausstellung gezeigt werden.

Ein interessanter Abschnitt sind Gemälde der letzten zwei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Das Thema des bewaffneten Kampfes weicht dann den Problemen der Ausgrenzung, des Zweifels und des Todes. Für Maksymilian Gierymski, Józef Chełmoński und Jacek Malczewski war die historische Erfahrung nationaler Aufstände eine Herausforderung, das romantische Heldentum aufzugeben und sich naturalistischen Kompositionen zu zeitgenössischen Themen zuzuwenden. Die namenlosen Aufständischen von 1863, sibirische Exilanten, politische Gefangene, weit weg von ihrer Heimat und ihren Angehörigen, werden zu Figuren menschlicher Armut, Demütigung und Einsamkeit.

Die Ausstellung wird von einem Katalog und einer umfangreichen Reihe von Vorträgen, Workshops und thematischen Führungen begleitet. Es wird bis zum 20. Dezember 2020 dauern.

Die Macht des Bildes ist die Warschauer Ausgabe der Ausstellung Pologne 1840–1918. Peindre l’âme d’une Nation (Polen 1840-1918. Um Geist der Natur darzustellen), präsentierte bis Januar 2020 in der Louvre-Filiale in Lens. Die Ausstellung in Frankreich war ein Partnerprojekt des Nationalmuseums in Warschau, des Louvre-Lens-Museums und des Adam Mickiewicz-Instituts und wurde auch mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet Schirmherrschaft des Präsidenten der Französischen Republik, Emmanuel Macron, und des Präsidenten der Republik Polen, Andrzej Duda. Dieses Ereignis war das Jubiläum der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens sowie das hundertjährige Bestehen der Unterzeichnung des polnisch-französischen Migrationsabkommens.

Ausstellung im Nationalmuseum in Warschau
POLEN. MACHT DES BILDES
18. September – 20. Dezember 2020
Kuratoren: Iwona Danielewicz (MNW), Agnieszka Rosales Rodríguez (MNW), Marie Lavandier (Musée du Louvre-Linse), Luc Piralla-Heng Vong (Musée du Louvre-Linse)
Zusammenarbeit: Wojciech Głowacki )

Veröffentlicht am 30.09.2020
(kw)

Datum: 18.09.2020 - 20.12.2020
Lokalisierung: Muzeum Narodowe w Warszawie, Aleje Jerozolimskie 3, 00-495 Warszawa


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